Prüfungen im Aikido

Warum Prüfungen?

Eine Prüfung kann einen Abschnitt des Weges im Aikido markieren und damit die persönliche Weiterentwicklung sichtbar machen. Das Bewusstsein um eine kommende Prüfung fokussiert und aktiviert das eigene Lernen, die Techniken werden mit besonderem Bewusstsein speziell vertieft. Die Prüfung selbst stellt eine psychische und physische Belastung dar, unter der Aikido immer noch funktionieren soll. Die durch eine Prüfung erreichte Graduierung ist dann nicht wirklich wichtig, ganz im Sinn der generell im Aikido gesuchten „Abschaffung“ des Egos.

Prüfungsprogramm

Es existiert eine Auflistung der Techniken, die bei jeder Graduierung beherrscht werden sollte. Diese findet ihr HIER oder unter den Downloads. Es gibt Schülergrade (sogenannte Kyu-Grade), die bei uns von 6 nach 1 fortschreiten, danach kommen die Meistergrade (Dan-Grade), die dann von 1 aufwärts gezählt werden. Unser Sensei Paul Muller hat in den letzten Jahren gemeinsam mit uns das gesamte Programm gefilmt, sodass alle Techniken geordnet nach der jeweiligen Graduierung als Video zur Verfügung stehen. Hier die Links dazu für das Kyu-Programm:

6. Kyu 5. Kyu 4. Kyu 3. Kyu 2.Kyu 1.Kyu

Prüfungsablauf

Nage (N) sucht sich eine/n Uke (U). Beide knien sich vor der Prüferin oder dem Prüfer (P) ab.

Positionen von Prüfer, Nage und Uke

Verbeugen N-U-P (alle: Onegai shimasu), Verbeugen N-U (P: Rei); Angriffe durch U und Verteidigung durch N laut Kommando von P. Ein Randori startet mit Hashime und endet mit Yame.

Am Prüfungsende (P: Yame) knien sich Nage und Uke wieder in die Ausgangsposition einander zugewandt ab, verbeugen sich voreinander, drehen sich zu P und verbeugen sich erneut (alle: Domo arigato gozaimashita).

Überreichung der Graduierungsurkunde

Positionen bei Übereichung der Urkunde

  1. von Position 1 den Weg A stehen oder im Suwari Waza bis Position 2 zurücklegen
  2. grüßen zur Jury (J)
  3. Weg B weiter stehend oder im Shikko bis Position 3
  4. In Seiza setzen, grüßen
  5. Verlesung der Urkunde
  6. Im Shikko vorgehen auf Position 4 (Hüfte bleibt nach vorne gerichtet - „Schleppschritt“)
  7. Urkunde übernehmen (Oberkörper dabei leicht nach vorne gebeugt)
  8. Im Shikko zurück auf Position 3
  9. Urkunde rechts ablegen, grüßen
  10. Aufstehen oder im Shikko mit Blick auf die Jury zurück zu Position 2
  11. Grüßen
  12. Zurück zu Position 1

 

 

Aikido

Aikido ist eine japanische Kampfkunst, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Meister MORIHEI UESHIBA (1883-1969) entwickelt wurde. Es bildet eine Synthese zwischen den "alten" Kampftechniken und philosophischen Elementen der Gewaltlosigkeit. Die Übenden entwickeln im Laufe der Jahre eine ruhige Geisteshaltung und erhöhtes Selbstvertrauen, sowie mentale, emotionale und physische Stabilität.

Aikido setzt sich aus drei Silben zusammen:

Aikido

 

AI: Vereinigung oder Harmonie

 

KI: Lebensenergie

 

DO: Der Weg

 

Somit bedeutet Aikido "Weg, die Lebensenergie zu harmonisieren".

Die Energie des Angreifers (Uke) verschmilzt dabei mit der des Angegriffenen (Tori oder Nage). Durch eintretende und zirkuläre Bewegungen gelingt es diese Angriffsenergie umzuleiten und gegen den Angreifer zu richten und diesen zu hebeln oder zu werfen. Im realen Fall hätte der Angreifer die Möglichkeit sein Vorgehen zu überdenken und zu erkennen, dass sich seine Aggression gegen ihn selbst gerichtet hat. Diese Erkenntnis soll die Gewaltspirale unterbrechen und zu einer friedlichen Lösung führen.

Durch den gekonnten Einsatz des eigenen Zentrums spielt Kraft eine untergeordnete Rolle beim Aikido. Diese Fertigkeit wird im Aikido durch das Erlernen der Grundtechniken geübt. Wie Yin und Yang eine Einheit bilden so bilden auch Uke und Nage eine Einheit, sodass beiden Rollen dieselbe Bedeutung zukommt. Deshalb ist das korrekte Erlernen der Angriffsbewegungen und der Fallschule mindestens genau so wichtig wie das Studium der Verteidigungsbewegungen.

Durch den fortwährenden Einsatz des Körpers (Tai) durch das Üben entwickelt sich die Fertigkeit, die Lebensenergie (Ki) zu lenken um schließlich den Geist (Shin) zu bilden.

Aikido fördert somit über die körperliche Übung die geistige und persönliche Entwicklung und lehrt das korrekte Verhalten (Etikette) und den liebevollen Umgang mit den Mitmenschen. Die feine Qualität des Aikido macht es reizvoll für beide Geschlechter unabhängig vom Alter.

Alle genannten Aspekte führen zur Aufhebung der Gegnerschaft somit ist ein Wettkampf im Sinne einer sportlichen Auseinandersetzung nicht möglich und wird im Aikido nicht durchgeführt.

Um das eigene Fortschreiten in der Kunst in Relation zu setzen steht das Instrument der Prüfungen zur Verfügung, die jeweils Meilensteine in der Entwicklung des eigenen Aikido kennzeichnen.

 

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